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Ist es zuhause immer am schönsten? Die Vor- und Nachteile von Homeoffice

13. Mai 2020

Arbeiten von zuhause aus. Was vor dem Ausbruch der Corona-Pandemie lediglich in vier von zehn Unternehmen praktikabel und erlaubt war, entwickelt sich nun zum Arbeitskonzept der Zukunft. Dabei war das Interesse an Homeoffice schon vor der Pandemie vor allem auf der Arbeitnehmer-Seite vorhanden: Rund 45% aller Berufstätigen befürworten einen gesetzlich verankerten Anspruch auf Homeoffice. Jetzt bleibt vielen Unternehmen keine Wahl mehr: Corona zwingt Deutschland ins Homeoffice.

Homeoffice: Eine Definition

Laienhaft ins Deutsche übersetzt meint „Heimbüro“ die Umsetzung aller vertraglich vereinbarten Aufgaben eines Mitarbeiters in den eigenen vier Wänden. Via Remote Working wird das Homeoffice mit dem „richtigen“ Büro vernetzt und alles läuft wie gewohnt – nur eben von zuhause aus! Die Ruhe und die Freiheit der eigenen vier Wände mit dem Job verknüpfen zu können empfinden viele Menschen als angenehm – manche scheitern wiederrum an der Abgeschiedenheit.

Die Vorteile von Homeoffice für Arbeitnehmer

Es ist der Traum vieler Arbeitnehmer in Deutschland: Die Arbeit in den eigenen vier Wänden verrichten. Das kommt nicht von ungefähr, denn Homeoffice bietet Arbeitnehmern einige attraktive Vorteile im Gegensatz zur Büro-Präsenz.

Zeit sparen und Nerven schonen

Je nachdem, wie lang der Arbeitsweg für Angestellte ist, lässt sich durch Homeoffice Lebenszeit einsparen, die ansonsten auf der Straße verbracht worden wäre. Es gibt einfach Angenehmeres, als morgens schon im Stau zu stehen und sich dann beeilen zu müssen, um gerade noch rechtzeitig stempeln zu können. Und dann auch noch die anderen Verkehrsteilnehmer! Man schont neben dem Zeitkonto also auch die Nerven – das wiederum wirkt sich positiv auf Körper und Geist aus.

Der Kosten-Faktor

Apropos sparen: Haben Sie mal hochgerechnet, was durch den Arbeitsweg monatlich an Spritkosten anfällt? Und wer täglich sein Auto mehrere Kilometer durch den Berufsverkehr steuert, erhöht den Verschleiß am eigenen PKW. Auch Bus oder Bahn transportieren Sie nicht umsonst. Im Homeoffice sind Sie nicht auf das Auto oder den ÖPNV angewiesen. Arbeitnehmer sparen durch Homeoffice also bares Geld.

Arbeiten nach dem Bio-Rhythmus

Jeder Mensch ist anders. Einige sind morgens motiviert und produktiv, andere laufen erst später zu Höchstformen auf. Das hängt mit dem Bio-Rhythmus zusammen, der von Mensch zu Mensch unterschiedlich ist. Bei Anwesenheit im Büro arbeiten viele Menschen entgegen ihres eigenen Rhythmus‘ und das quittiert der Körper irgendwann mit Abgeschlagenheit und Anfälligkeit für Krankheiten. Im Homeoffice können sich Arbeitnehmer besser nach ihrem persönlichen Rhythmus richten – doch hier ist es Pflicht der Mitarbeiter, ihre Arbeitszeiten mit Vorgesetzten und Kollegen abzusprechen.

Keine Hose, kein Problem

Egal, wie gut der Arbeitsplatz im Büro ausgestattet sein mag: Zuhause hat jeder seine ausgewiesenen Wohlfühl-Orte, an denen er produktiver sein und konzentrierter arbeiten kann. Zudem fällt zuhause auch die Kleiderordnung weg: Wer sich in bequemen Jogginghosen produktiver fühlt, kann hier sein gesamtes Potenzial entfalten. Den Wohlfühl-Faktor unterschätzen viele Menschen. Dabei wirkt sich das persönliche Wohlbefinden positiv auf das Selbstbewusstsein aus. Natürlich sollte man sich dann aber auch zumindest ein Sakko überziehen, wenn eine Videokonferenz mit Kunden im Terminkalender steht.

Ein Umfeld ohne Ablenkungen

Während im Büro die Kollegen zur nächsten Kaffeepause rufen oder den üblichen Small-Talk führen wollen, ist man zuhause ganz bei sich und wird nicht von den Kollegen von der Arbeit abgelenkt. Außerdem klingelt zuhause lediglich das eigene Telefon und man ist dem Rattern des Firmendruckers nicht ständig ausgesetzt. Das wirkt sich nachweislich auf die Produktivität aus, wie eine Studie der Universität Stanford gezeigt hat . Für diese Studie wurden eine Homeoffice- und eine Büro-Gruppe beobachtet. Es zeigte sich nicht nur, dass sich die Homeoffice-Mitarbeiter weniger abgelenkt fühlten als im Büro, sondern dadurch auch um 13% produktiver als ihre Kollegen im Büro waren!

Die Nachteile von Homeoffice für Arbeitnehmer

Allerdings hat der Arbeitsplatz in den eigenen vier Wänden auch seine Schattenseiten. Punkte, die das Homeoffice für manche Menschen attraktiv machen, lassen andere Menschen verzweifeln. Vor allem auf der psycho-sozialen Ebene birgt das Homeoffice für Arbeitnehmer einige Nachteile.

Soziale Kontakte fallen weg

Der Mensch fühlt sich am wohlsten, wenn er in Gesellschaft ist. Bei manchen ist dieses Herden-Verhalten ausgeprägter vorhanden – das kann im Homeoffice zum Problem werden: Mal eben über den Flur schlendern und auf dem Weg zur Teeküche von Kollegen den neuesten Flurfunk aufschnappen? Fehlanzeige. Auch die gemeinsame Mittagspause in der Kantine oder die kleinen Scherze über die Schreibtische hinweg bleiben aus. Zwar hat sich die digitale Kommunikation stark weiterentwickelt und hält viele großartige Möglichkeiten bereit, um mit den Kollegen und Vorgesetzten in Kontakt zu bleiben. Aber das ersetzt nicht das klassische menschliche Miteinander. Im Homeoffice ist man auf sich allein gestellt – das kann sich nicht nur auf die Laune auswirken, sondern auch auf die Karriere!

Geringere Karriere-Chancen

Ein schneller beruflicher Aufstieg hängt mit starker Präsenz und überzeugenden Ergebnissen zusammen. Im Homeoffice kommen Präsenz und Hingabe jedoch nicht so zur Geltung, wie im Büro. Überstunden und kürzere Pausen sind kaum nachweisbar und der Arbeitnehmer im Homeoffice ist stets in der Pflicht, sich zu rechtfertigen. Diese Punkte machen Homeoffice vor allem für Menschen unattraktiv, die schnell die Karriereleiter emporklettern wollen.

Die vermeintliche Ruhe zuhause

Im ersten Teil haben wir vom „Umfeld ohne Ablenkung“ gesprochen. Das trifft auch durchaus zu, wenn man sich auf Ablenkungen beschränkt, die ausschließlich im Büro zu finden sind. Doch familiär bedingt hat nicht jeder zuhause seine uneingeschränkte Ruhe. Und dann lauern im heimischen Büro noch andere Ablenkungen, die den Arbeitnehmer in Versuchung bringen oder einfach von der eigentlichen Arbeit abhalten: Postboten, Schornsteinfeger, Handwerker – die Klingel kann jeden Moment läuten und den Workflow unterbrechen. In der Küche steht noch der Abwasch vom gestrigen Abendessen – mit so einer Unordnung im Rücken können manche nicht in Ruhe arbeiten. Im Homeoffice muss man sich dieser Ablenkungen bewusst sein und sich auf den Umgang damit vorbereiten.

Der Team-Geist fehlt

Die räumliche Entfernung zum Büro und zu den Kollegen kann zwar entspannend wirken und den beruflichen Druck verringern, allerdings entstehen unter Druck ja bekanntlich Diamanten: Die Motivation durch Kollegen und externe Einflüsse, die man so nur im Büro hat und der Blick fürs große Ganze fehlen im Homeoffice. Die Dringlichkeit von Projekten, die im Büro auch von Kollegen vermittelt wird, kommt durch die räumliche Distanz nicht im Kopf der Arbeitnehmer an. Alles scheint weiter weg zu sein. Gleichermaßen fehlt in der Abgeschiedenheit das Wir-Gefühl und das Wissen, dass man gemeinsam mit anderen Menschen an einem Projekt arbeitet. Teamgeist eben.

Die Sache mit den Überstunden

Während bei einem klassischen Präsenz-Job die Vorgesetzten sehen, dass jemand Überstunden schiebt, bleibt es bei Arbeitnehmern im Homeoffice für Vorgesetzte verborgen, ob und wie viele Überstunden jemand leistet. Psychisch kann sich das beim Arbeitnehmer in der Form niederschlagen, dass ihm diese Form der Bestätigung für die Mehrarbeit fehlt und die eigenen Leistungen nicht mehr zufriedenstellend erscheinen – auch wenn man sich in der Realität wirklich ins Zeug legt. So bauen manche Menschen innerlichen Druck auf und sind unzufrieden mit sich selbst.

Die Vorteile von Homeoffice für Arbeitgeber

Nicht nur für Arbeitnehmer birgt das Homeoffice interessante Potenziale. Auch Arbeitgeber profitieren einerseits von gesunden, ausgeglichenen und produktiven Mitarbeitern im Homeoffice. Zum anderen gibt es durchaus betriebswirtschaftliche Vorteile für Unternehmen.

Fix-Kosten sparen

Wenn der Mitarbeiter nicht im Büro arbeitet, verringern sich bestimmte Fixkosten – manchmal entfallen sie sogar komplett. Homeoffice senkt für Unternehmen die Stromkosten, weil nicht täglich der Computer läuft. Vor allem in den Herbst- und Wintermonaten wird öfter das Licht angeschaltet – was sich erübrigt, wenn ein Büro wegen Homeoffice nicht besetzt ist. Apropos Winter: Es reduzieren sich natürlich auch die Heizkosten. Zudem verringern sich auch Kosten für die Verpflegung: Wasser, Kaffee, Säfte und Obst müssen schließlich auch bezahlt werden. Je größer der Homeoffice-Anteil ist, desto geringer fällt auch der Reinigungsaufwand für Büroräume aus. Im Gegenzug fallen diese Kosten dann natürlich für den Arbeitnehmer zuhause an.

Vorteile auf dem Arbeitsmarkt

Das Thema Homeoffice ist immer öfter Bestandteil von Vertragsverhandlungen. Unternehmen können ihre Attraktivität steigern, wenn sie sich dem Konzept Homeoffice gegenüber aufgeschlossen und entgegenkommend positionieren. Gleichzeitig sprechen Unternehmen ihren Mitarbeitern durch die Möglichkeit des Homeoffice ihr Vertrauen aus – das wissen die meisten auch zu schätzen. Mit Homeoffice lassen sich auch Wunschkandidaten überzeugen, die aufgrund der räumlichen Entfernung noch vor einer Zusage scheuen.

Die Nachteile von Homeoffice für Arbeitgeber

Doch der Begriff Homeoffice bereitet vielen Arbeitgebern eher Bauchschmerzen. Sie setzen auf die klassische Präsenz-Arbeit, von der sie sich mehr Kontrolle und Produktivität erhoffen. Zwar sprechen aus Arbeitgebersicht durchaus einige Vorteile für Homeoffice, doch manche Arbeitgeber nehmen beispielsweise höhere Fixkosten gerne in Kauf, wenn sie dafür ihre Mitarbeiter um sich haben.

Der unsichtbare Mitarbeiter

Es ist einfach im gesellschaftlichen Verständnis verankert: Arbeit ist, wenn man gemeinsam an einem Ort etwas Leistet. Der Arbeitnehmer wird für diese aufgebrachte Zeit und Leistung entlohnt. Im Homeoffice fällt ein wichtiger Teil – die Präsenz – weg. Der Arbeitgeber bekommt dabei schnell das Gefühl, dass er jemanden entlohnt, der nichts leistet, weil er eben nicht vor Ort ist. Und wenn wir mal ehrlich sind: Eine tatsächliche Kontrolle täglich erbrachter Leistungen ist im Homeoffice nur eingeschränkt möglich. Undisziplinierte Arbeitnehmer werden erst entlarvt, wenn ein Projekt scheitert und dann ist es natürlich viel zu spät. Hier bilden Vertrauen auf der einen und Pflichtbewusstsein auf der anderen Seite das Fundament für ein funktionierendes Homeoffice.

Das Verhältnis kippt

Vielen Arbeitgebern macht der unsichtbare Arbeitnehmer so sehr zu schaffen, dass sie ihm bewusst oder unbewusst Misstrauen entgegenbringen. Das wiederum wirkt sich negativ auf das Verhältnis und das Arbeitsklima aus: Der Mitarbeiter, der vielleicht sehr verantwortungsbewusst und produktiv im Homeoffice arbeitet, fühlt sich und seine Arbeit nicht wertgeschätzt.

Erschwerte Kommunikation

Das menschliche Miteinander zeichnet sich durch kommunikative Eigendynamiken aus. In der Arbeitswelt können das Informationen und Anweisungen sein, die kurz und knapp auf dem Flur oder über mehrere Schreibtische hinweg verbreitet werden. Diese Kommunikation mit der „Zentrale“ bleibt im Homeoffice auf der Strecke, denn Arbeitnehmer zuhause müssen über alle Vorgänge extra informiert werden. Unsere digitalisierte Welt bietet zwar viele smarte Möglichkeiten dafür, aber es bleibt eine zusätzliche kommunikative Ebene, die den Informationsfluss hemmt.

Ein Vorteil für Alle: Umweltschutz

Egal ob Arbeitnehmer oder Arbeitgeber: Beide Parteien teilen sich unseren schönen Planeten. Die Dringlichkeit Umweltschutzes schlägt sich zunehmend in einer gesellschaftlich verankerten Sensibilität für eine nachhaltige Lebensweise nieder. Mit dem Homeoffice können Arbeitnehmer und Arbeitgeber ihren Teil zu einer besseren und intakten Umwelt beitragen. Beispielsweise wird durch die entfallenden Fahrten mit dem Auto CO2 eingespart. Das Institut für angewandte Arbeitswissenschaften hat in einem Gutachten[1] berechnet, dass die CO2-Emmissionnen jährlich um 850 Millionen Kilogramm verringert werden könnten, wenn allein 10% der Erwerbstätigen in Deutschland einmal pro Woche zuhause bleiben würden. Auch die eingesparte Energie in Büroräumen entlastet die Umwelt!

[1] Vgl. https://www.arbeitswissenschaft.net/fileadmin/Downloads/Angebote_und_Produkte/Publikationen/FDP_Gutachten_Mobile_Arbeit_Finale_Version_15.10.2020.pdf

Fazit

Der technische Fortschritt ist gerade dabei, die Arbeitswelt, wie wir sie kennen, zu verändern. Solche Veränderungen werden von der Masse nie einstimmig als positiv angesehen. Vor allem Arbeitgeber stehen dem Homeoffice skeptisch gegenüber, was natürlich verständlich ist. Doch die Vorurteile gegen dieses Konzept sollten vor allem durch die Erfahrungen mit der Corona-Krise einer Prüfung unterzogen werden: Wir haben gesehen, dass die Wirtschaft nicht unverwundbar ist und sie sich wandeln muss, um weiterhin konkurrenzfähig zu bleiben. Wenn beide Seiten, Arbeitgeber und Arbeitnehmer, kompromissbereit sind, lässt sich das Homeoffice als modernes Arbeitskonzept so umsetzen, dass alle davon profitieren.

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